Offener Brief an Angela Merkel

21 Dezember 2009 von Helmut Pratzel Kommentieren »

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

mein Anliegen bezieht sich auf den Klimagipfel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dort etwas Wesentliches übersehen oder bewußt ausgeklammert worden ist.

Sicher dient die primäre Ausrichtung einer Absenkung der CO2-Entstehung einer zukunftsträchtigen Energiepolitik. Zugleich sind damit auch viele Investitionen mit Auswirkung auf wirtschaftlich tragfähige Strukturen verbunden. Aber damit wird für den Klimawandel ein sehr geringer Nutzen entstehen.

Den Klimatologen sind die erheblichen Unterschiede des Albedo bekannt. Besonders haben Flächen mit ausgeprägter Vegetation darauf Einfluß. Dennoch werden die damit verbundenen Ursachen des Klimawandels nicht mit eingeschlossen. Man kann die Strahlungsbilanz nicht nur physikalisch diskutieren, ohne die Dynamik biologischer Strukturen einzubeziehen. Ich sehe die Ursachen des Klimawandels hauptsächlich in der Minderung von Vegetationsflächen auf der Erde im Laufe der Zeit. Dieser Effekt wird in der Ökologie etwa 100fach höher eingeschätzt als der CO2-Effekt. Hierzu verweise ich auf das Memorandum zum Klimawandel (Notwendige gesellschaftliche Reformen zur Stabilisierung des Klimas und zur Lösung der Energiefragen), welches das Systeminstitut Aqua-Terra e.V. (SAT), in Berlin unter www.aquaterra-berlin.de im Internet zur Verfügung gestellt hat. Hier haben Landschaftsökologen und Limnologen, Wissenschaftler der TU Berlin die Zusammenhänge des Klimawandels mit wissenschaftlich nachvollziehbarer Argumentation dargestellt. Ich bitte dringend, diese Schrift zu lesen.

Es ist verständlich, wenn auf dem Klimagipfel einige Länder der geforderten CO2-Reduzierung nicht gefolgt sind, wenn damit wirtschaftliche Restriktionen verbunden sind, ohne dem geforderten Ziel der Reduzierung der Erderwärmung zu dienen.

Bitte nutzen diese Erkenntnisse für Ihre politischen Entscheidungen.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Dr. Helmut G. Pratzel

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2 Kommentare

  1. Frank Bolz sagt:

    Sehr geehrter Herr Professor Pratzel,
    vielen Dank für Ihr Schreiben an die Bundeskanzlerin und Bundesvorsitzende der CDU Deutschlands, Frau Dr. Angela Merkel. Sie hat mich gebeten, Ihnen zu antworten.
    Ich teile Ihre Einschätzung, dass der Erhalt und die Stärkung der Vegetation – nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes – von hoher Bedeutung ist. Sie spielt als CO2-Speicher und als Einflussgröße auf den Treibhauseffekt eine wesentliche Rolle bei der Minderung des Klimawandels, auch wenn dieses nicht die hohe Bedeutung des CCh für den Klimawandel widerlegt. Dennoch teile ich ausdrücklich Ihre Meinung und einen der wesentlichen Punkte des von Ihnen angesprochenen Memorandums, dass weitere Schritte zum Erhalt unserer natürlichen biologischen Strukturen notwendig sind. Die CDU hat in der Zeit ihrer Regierungsverantwortung hier wesentliche Schritte unternommen und wird solche auch in Zukunft weiter unternehmen.
    Ein wichtiges Anliegen für diese Legislaturperiode ist zum Beispiel die Minderung des Flächenverbrauchs. Daher haben wir gemeinsam mit der FDP im Koalitionsvertrag festgelegt, dass die Wiederverwendung bereits genutzter Flächen und die Verdichtung im Innenbereich Vorrang vor Flächenneuverbrauch bzw. vor Entwicklung im Außenbereich haben müssen. Deshalb wollen wir gemeinsam mit den Kommunen Instrumente zur Gestaltung der Innenentwicklung erarbeiten. Brachflächenkataster und Managementpläne der Kommunen sowie finanzielle Anreizinstrumente wollen wir weiterentwickeln. Wir beabsichtigen, einen Modellversuch zu initiieren, in dem Kommunen auf freiwilliger Basis ein überregionales Handelssystem für die Flächennutzung erproben. So wird ein

    wesentlicher Beitrag dazu geleistet, dass natürliche Flächen in Deutschland in Zukunft in vermehrtem Maße unberührt bleiben können.
    Auch international muss der Schutz der Vegetation weiter vorangetrieben werden, etwa im Bereich der Regenwälder. So werden wir uns im Rahmen der internationalen Biodiversitäts-Konvention konsequent für den Schutz der Regenwälder einsetzen. Im Rahmen dieser Konvention konnte man sich bereits auf zahlreiche Maßnahmen einigen, wie etwa gemeinsame Anstrengungen zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags. Deutschland hat zurzeit die Präsidentschaft über die dazugehörige Vertragsstaatenkonferenz inne und wird diese Position weiter nutzen, um eine aktive internationale Umweltpolitik voranzutreiben. Auch in finanzieller Hinsicht wurde Einiges für den Schutz der Regenwälder erreicht. So werden bis 2012 alleine 500 Mio. € für den Schutz der Regenwälder zur Verfügung gestellt. Ein gewaltiger und nicht zu unterschätzender Beitrag zum Schutz der Regenwälder ist sicherlich, dass Angela Merkel darüber hinaus zugesagt hat, dass ab 2013 jährlich 500 Mio. Euro für den Schutz der Regenwälder verwandt werden.
    Bei den Verhandlungen in Kopenhagen, auf welchen wir bei unseren weiteren Bemühungen für ein verbindliches, weltweites Klimaschutzabkommen aufbauen wollen, spielte auch der Schutz der Vegetation wie etwa der Waldflächen eine wichtige Rolle. So wurde im Abschlussdokument festgestellt, dass Maßnahmen gegen Walddegradierung und Entwaldung, insbesondere in Entwicklungsländern, vorangebracht werden müssen. Hierbei wurde auch das Ziel genannt, einen REDD-Mechanismus (REDD= Reducing Emissions from Deforestation and Degradation), welcher die Entwicklungsländer bei diesen Maßnahmen unterstützt, einzurichten.
    Abschließend verbleibe ich mit den besten Wünschen für das neue Jahr. Mit freundlichen Grüßen

    Frank Bolz

  2. Helmut Pratzel sagt:

    Der Albedo-Durchschnittswert der Erde beträgt jetzt 30%. Hätte man Daten über die Änderung der durchschnittlichen Albedo über die letzten Jahrzehnte wären die Ursachen des Klimawandels offensichtich. Da Waldflächen zwischen 5-20% abstrahlen, ist der Albedo-Durchnittswert vor der Abholzung der Wälder mit Sicherheit geringer gewesen. Zugleich wäre auch der CO2-Verbrauch höher. Wirksame Maßnahme gegen den Klimawandel ist deshalb die Schaffung von neuen Waldflächen.

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