Beiträge getagged ‘Nordkurier’

Kreative Chance für ein halbes Jahr

5 August 2010

TÖRPIN. Ein modelliertes Pärchen steht auf dem Tisch. Als Vorlage. Daneben liegt Ton bereit. Irena Schultz, Vera Kasdorf und Annette Giermann schauen etwas ungläubig. Das sollen sie nachmachen? Sie drehen die Figur, stellen sie wieder hin und brechen sich ein Stück vom weichen Ton ab. Los geht es mit den ersten Versuchen. Die müssen sie zunächst allein machen. Dann erst hilft der Kursleiter. „Man muss ein Vorbild haben, nur aus dem Kopf, das ist zu schwer“, gibt Helmut Pratzel zu. Er hat im Törpiner Forum einen Kreativkurs ins Leben gerufen. Seit Juli haben fünf Frauen aus Sarow und Törpin als Ein-Euro-Jobber für ein halbes Jahr eine Beschäftigung in der „Alten Schule“ in Törpin gefunden. In den ersten Wochen sind schon viele verschiedene Dinge entstanden – geflochtene Körbe, Speckstein-Figuren, Karten, Bilder, Lavendelsäckchen und kleine Origamie-Kunstwerke. Mit Ton zu arbeiten, haben sie in dieser Woche begonnen. Seidenmalerei, Batic und andere kreative Sachen sollen noch folgen. „Es hat mich gestört, dass Hartz IV Empfänger immer primitive Arbeiten machen müssen, die keinem behagen und keine Freude machen“, erklärt Pratzel. Er wollte vielmehr etwas anbieten, was Freude macht, wo sich die Teilnehmer weiterentwickeln können, andere Techniken berühren und Interessenbereiche finden. „In jedem schlummert ein Kunstgefühl, ein Kunstverstand. Man muss es nur herauslocken.“ Viele Dinge hat Helmut Pratzel vorher auch noch nie gemacht. Bevor er seine Kursteilnehmer anleiten kann, wälzt er Anleitungsbücher, sucht sich Ideen, testet verschiedene Materialien. „Ich merke, der meint, er hat zwei linke Hände, doch etwas kann“, hat er in der kurzen Zeit festgestellt. „Ich bin froh, dass ich hier reingekommen bin“, meint Irena Schulz. Das sei sinnvoller als Laub harken und Hecken schneiden. „Es macht Spaß und wird nie langweilig.“ Am liebsten fertigt sie Gestecke und glaubt, dass sie das auch mit dem Ton ganz gut hinbekommt. Vera Kasdorf sieht es ähnlich. „Ich würde das gerne länger machen als nur ein halbes Jahr.“ Danach könne sie einiges und müsse dann schon wieder aufhören. Das findet auch Annette Giermann schade. Ihr geht das Körbe flechten und Malen leicht von der Hand. Sie fühlt sich wie die anderen wohl in der kleinen Gruppe. Die Ideen für die Kreativkursteilnehmer scheinen nicht auszugehen. Christine Neumann ist besonders geschickt an der Nähmaschine. So sollen noch Kostüme für die Kindertanzgruppe des Vereins geschneidert werden. Auch ein Segel für ein Schiffsmodell, das Helmut Pratzel mal vor 50 Jahren angefangen hat zu bauen, soll noch genäht werden. Es steht noch ohne Segel da. Als alter Hochseesegler zeigt Helmut Pratzel seiner „Damenrunde“ auch verschiedene Knoten, daraus sind schon Schlüsselanhänger entstanden. Papier schöpfen, Papier colorieren, aus gepressten Pflanzen Bilder herstellen, kleine Schachteln für Schmuckstücke fertigen und, und, und. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Auf einem Tisch werden die fertiggestellten Stücke bisher ausgestellt. Sie sollen noch verkauft werden, für so viel, dass die Materialkosten wieder herauskommen. Einiges geht in die Tombola beim Erntefest der Gemeinde. Auf den Kreativkurs gebracht haben ihn die Loitzer mit ihrem Kompetenzzentrum für Arbeitslose. Dort werde Ähnliches in mehreren Dörfern erfolgreich gemacht. „Das ist eine feine Sache, besser als Rasen mähen und Blätter sammeln.“ Für Interessierte aus anderen Dörfern will Helmut Pratzel die Türen der „Alten Schule“ weit offen halten. Jeder könne reinschauen und sich das Projekt anschauen. Er wünschte sich, wenn noch andere Bürgermeister in den Dörfern auf die Idee eines Kreativkurses kommen würden. „Weil es eine sinnvolle Sache ist.“

Quelle: Nordkurier, Demminer Zeitung vom 05.08.2010, Kirsten Gehrke (original)

Nordkurier berichtet über Bibliothek

6 Januar 2010

Seit einem dreiviertel Jahr gibt es nun schon die Lesestube in der Alten Schule in Törpin und bereits 5000 Bücher sind digital erfasst worden. Über dieses Projekt berichtete heute der Nordkurier. Leider sind die Leser noch immer Mangelware, obwohl das Angebot durchaus für jeden etwas bereit halten sollte. Um das Interesse weiter zu erhöhen haben wir deshalb geplant, in den nächsten Wochen eine online Auskunft bereit zu stellen. Sie können dann ganz in Ruhe per Internet das passende heraus suchen. Aber dazu mehr, wenn es soweit ist.

Eröffnung der “Alten Schule”

10 März 2009

Vor rund zwei Jahren stand das Haus noch vor dem Zusammmenbruch, jetzt ist es ein von Grund auf rekonstruiertes Gemeindezentrum. Am Sonnabend wurde die „Alte Schule“ in Törpin neu eröffnet. Damit fand ein Vorhaben seinen offiziellen Abschluss, das manch einer zu Beginn mit Skepsis beobachtet hatte. Nicht nur wegen des ruinösen Gebäudezustandes, sondern auch weil der Ausbau zum Gemeindezentrum und Vereinshaus auf eine Privatinitiative zurückgeht. Professor Helmut Pratzel und seiner Frau Inge stand denn auch die Freude über das gelungene Vorhaben ins Gesicht geschrieben, als am Sonnabend der Posaunenchor der Kirchgemeinde Beggerow zur Einweihung Beethovens „Freude schöner Götterfunke“ anstimmte. Zahlreiche Vertreter des Landkreises und der umliegenden Gemeinden, Menschen aus dem Dorf, die Pastoren Else Fischer-Bernds und Ralf Ott, Mitglieder des Seniorenbeirates wie der Europaabgeordnete Alfred Gomolka hielten da ebenso ihren Begrüßungssekt in der Hand wie die Helfer und Ein-Euro-Jobber, die am Aufbau mitgewirkt hatten. Ihnen galt Helmut Pratzels besonderer Dank. „Es ist etwas entstanden, wo sich viele am Auf- und Ausbau Beteiligte wiederfinden“, sagte er. 1904 wurde das Haus gebaut und bis 1971 als Schule genutzt. Im Jahr 2007 kaufte Inge Pratzel das denkmalgeschützte Gebäude und stellte es dem Törpiner Forum zur Verfügung. Doch vor einer Nutzung musste das stark vom Schwamm befallene Haus vollständig entkernt werden. Die Rechnungen bezahlte die Familie Pratzel mit Mitteln des Sozialministeriums und des Leader-Programms, vor allem aber auch mit eigenem Geld. Jetzt beherbergt die „Alte Schule“, die mit einer modernen energetischen Ansprüchen genügenden Heizung ausgestattet ist, unter anderem einen Festsaal mit dezent apricotfarbenen Wänden und terrakotta-artigem Fußboden, Küche, Sanitäranlagen, dazu einen Computerraum, vier Internetarbeitsplätze, eine Bibliothek mit rund 10 000 Bänden. Mit deren Sortierung und Registrierung hatte Karina Braatz in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun. Doch bei der Eröffnung am Sonnabend freute sie sich vor allem über das gelungene Werk. „Das ist sehr schön geworden, wenn man das vorher gesehen hat. Nun wollen wir hoffen, dass es angenommen wird.“ Ein Anfang ist in dieser Hinsicht bereits gemacht. Das Projekt „Kurs über Land“ nutzte laut Helmut Pratzel die Räume schon, ebenso der Törpiner Singekreis, und es gab auch schon zwei private Geburtstagsfeiern. Das entspricht dem Anliegen der Bauherren. Das Törpiner Forum als „Verein innovativer Kräfte der Region“ wolle mit diesem Haus ein Beispiel für gesellschaftliches Engagement geben, sagte Helmut Pratzel. „Möge dieses Haus mit seinem alten Gemäuer uns mit Gottes Hilfe die gewünschte Geborgenheit vermitteln.“ Das hatte wohl auch Pastorin Else Fischer-Bernds im Sinn, als sie gemeinsam mit Pastor Ott das Zentrum einsegnete. „Törpin“, fand sie, „gewinnt durch dieses Haus enorm. Rein optisch natürlich und dadurch, dass das Haus wieder mit Leben erfüllt wird.“

Quelle: Nordkurier, Demminer Zeitung vom 09.03.2009

Autor: Georg Wagner, Nordkurier